Stellungnahme vom Institut für soziale und kulturelle Bildung e.V.

Am 16.11.09 wurde uns mitgeteilt, dass unser Projekt Bunter Bogen im § 14 in der Beschlussvorlage für den Jugendhilfeausschuss zur Schließung vorgesehen ist.

Träger des Bunten Bogens ist das Institut für soziale und kulturelle Bildung e.V., das im Januar 1991 gegründet wurde.

Schwerpunkte der Vereinsarbeit waren u. a.

  • Aus- und Fortbildungen im sozialen, kulturellen und touristischen Bereich
  • Diverse Projektarbeit
  • Gemeinwesenarbeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Vieles hat sich jedoch seit den Anfangsjahren verändert.

Aus den Aus- und Fortbildungen im touristischen Bereich entstand die Berufsfachschule für Tourismus, die – um staatlich anerkannt zu werden – im Januar 1999 zu einem anderen Träger wechselte. Aus der vormaligen ABM-Maßnahme TACH (Theater Arbeitsloser Chemnitz) entwickelten wir das Projekt FRESStheater, dass  inzwischen  als eigenständige gGmbH arbeitet.

Geblieben ist das erstmals ab Oktober 1993 nach § 14 KJHG vom Landesjugendamt geförderte Projekt Bunter Bogen, wofür das IskB e.V. 1994 als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde.

Der Bunte Bogen sowie das Salute-Kompetenztraining (ein Programm für Frauen, die durch das Fallmanagement der Arge Chemnitz betreut werden) sind die beiden Standbeine des Vereins. Das Aus für den Bunten Bogen auf Grund der durch das Amt für Jugend und Familie geplanten Streichung der Fördermittel ist nicht nur ein schwerwiegender Verlust für unsere Klientel sondern auch existenzbedrohend für unseren Verein.

Über 16 Jahre lang hat sich das kleine Projekt Bunter Bogen (z. Z. 1,25 AE, 74.966,35 Euro Fördersumme) für den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz in ganz Chemnitz stark gemacht.  Ziel war und ist es, tagtäglich in kleinen Schritten einen wesentlichen nachhaltigen Beitrag zur primären Gewaltprävention zu leisten und junge Menschen zu befähigen, mit ihrer ganz  spezifischen eigenen Lebenssituation zurecht zu kommen, sie zu stärken in ihrer Individualität, sie zur Entwicklung wichtiger Kompetenzen im Miteinander zu führen. Dazu gehört auch der Kontakt zu den Eltern und wo möglich, deren Einbeziehung.

Im Täglichen überzeugt das Projekt durch die Strukturierung der Woche in verschiedene thematische Tage z. B. Schlapperplappertag ab 10 Jahre oder Erlebnistag, die Arbeit mit spezifischen Spielen, Materialien, die ruhige emotionale Art sowie seine partnerzentrierte Herangehensweise. Im Mittelpunkt stehen die Annahme des Kindes, die Stärkung seiner Individualität, das aktive Zuhören bei allen Problemen. Rollenspiele, Rituale wie z. B. die Stadtratssitzung für die Größeren, Spielsequenzen führen Kinder und Jugendliche zusammen. Im Unterschied zur offenen Kinder- und Jugendarbeit stehen im Mittelpunkt der Tage die gemeinsame Aktion, die Gruppenerfahrung, das Miteinander.

Thematisch erarbeitete Spielsequenzen zum Miteinander klarkommen, Spiele zum Umgang mit Aggressionen, Kennenlernspiele… finden ihren Einsatz nicht nur im Rahmen des Bunten Bogens, sondern darüber hinaus auch in der Zusammenarbeit mit zahlreichen Schulen, Horteinrichtungen (Rosa-Luxemburg-GS, Lessing-GS, AWO-Naturkinderhaus…), der Caritas oder der Kinderpsychiatrie in Chemnitz. Die Einrichtung ist auch beim zuständigen ASD bekannt und wichtiger Bestandteil des Netzwerkes für so manche Familie.

Tagtäglich liest man in der Presse von zunehmender Gewalt bei Kindern und Jugendlichen, von Gewalthandlungen an Schulen. Die Vermittlung von Alltagskompetenzen, von alternativen Verhaltensweisen, von Miteinander werden immer wichtiger. Die Wenigsten können konstruktiv mit Konflikten, mit schwierigen Lebenssituationen umgehen. Gerade deshalb sind wir überzeugt, dass Gewaltprävention frühzeitig ansetzen, täglich passieren muss und nicht immer nur reagiert werden darf, wenn ein Vorfall war. Wir bieten diese Arbeit -  täglich, in kleinen Schritten, auf Vertrauensbasis und  mit nachhaltiger Wirkung. Manch Einer, der heute schon verheiratet ist, auf eigenen Beinen steht, kommt gern vorbei und hilft uns immer noch bei Gruppenveranstaltungen.

Mit der Schließung des in Stadtmitte einmaligen Projektes verlieren die Kinder und Jugendlichen im Zentrum bzw. im vorderen Einzugsbereich Brühl eine wichtige Adresse, wo gewaltfreies Miteinander unterschiedlicher Altersstufen, unterschiedlicher Herkunft  gelebt wird. Kinder und Jugendliche, die Wärme suchen und Angenommensein,  verlieren ihren „Club“, ihre „Familie“. Dabei trifft es natürlich wieder fast ausschließlich Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien.

Wir erwarten deshalb eine Entscheidung zu Gunsten der Kinder, Jugendlichen und Familien.

Wieland                       Saralajewa

Vorstand ISKB e. V.

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