Stellungnahme des SWF e.V.

Medien bestimmen das komplette gesellschaftliche Leben: Freizeit, Bildung, Arbeit, Kultur – alles ist von Medien berührt und wird über Medien kommuniziert. Medien bergen aber auch Gefahren, können Sucht verursachen und benötigen einen verantwortlichen Umgang, der gelernt sein will.

Ob im aktuellen Koalitionsvertrag, in der JIM-Studie oder im 3. Sächsischen Kinder- und Jugendbericht festgestellt, überall wird die Bedeutung medienpädagogischer Angebote für die heranwachsende Generation hervorgehoben und ein Bedarf derartiger Bildungsangebote und Präventionsarbeit abgeleitet.

Nur Chemnitz kann/ muss es sich offenbar leisten, bewährte medienpädagogische Angebote zur Disposition zu stellen, obwohl es nur eine überschaubare Anzahl geförderter medienpädagogischer Leistungsangebote nach §14 SGB VIII in der Stadt gibt.

Das „Jugendmedienzentrum Bumerang“ des SWF e.V. ist im Maßnahmeplan aufgeführt und soll ab 01.01.2010 nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit keine finanzielle Förderung mehr erhalten. Als Begründung wurden vom Amt für Jugend und Familie rein fiskalische Gründe benannt. Weder die Nutzerzahlen der Einrichtung noch die qualitative Bewertung der medienpädagogischen Arbeit seien Ursachen für den Vorschlag. Vielmehr ist das „Jugendmedienzentrum Bumerang“ Anbieter von medienbezogenen Angeboten, welches eine qualitätvolle, pädagogische und zukunftsweisende
Medienarbeit für Kinder und Jugendliche leistet.

Das Arbeitsspektrum ist mit Blick auf eine effiziente und effektive Jugendmedienarbeit auf dem Sonnenberg und in Chemnitz einmalig. 4.400 Kinder und Jugendliche auf dem Sonnenberg und unzählige weitere aus den umliegenden Stadtteilen verlieren, falls der Maßnahmeplan von Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren Jugendhilfeausschussmitglieder, verabschiedet wird, einen Ort, an dem sie den Umgang mit Medien erproben und hinterfragen lernen und eine Anlaufstelle, wo ausgebildete Medienpädagogen und Elternmedientrainer tätig sind, die auch Eltern, Lehrern und Erziehern unterstützende Angebote und Hilfestellung geben.

Ein weiteres Mal setzt der Rotstift auf dem Sonnenberg an: kein Kino, keine Stadtteil(kinder)bibliothek mehr… und nun auch kein „Jugendmedienzentrum Bumerang“ mehr? – sieht so Chancengleichheit und Beseitigung von  Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen aus, gerade in einem Stadtteil, der oft als „sozialer Brennpunkt“ beschrieben wird?

Eine solche Prioritätensetzung ist nicht nachvollziehbar – trotz der Bewusstheit von Sparzwängen in Zeiten knapper Kassen, demografischer Entwicklung und sinkender Zahlen an Kindern und Jugendlichen.

Wir geben Ihnen hiermit zu Bedenken, welche Konsequenzen die Einstellung der finanziellen Förderung des „Jugendmedienzentrum Bumerang“ durch die Stadt Chemnitz für 4.400 Kinder und Jugendliche auf dem Sonnenberg und unzählige weitere aus den umliegenden Stadtteilen haben wird:

Die Einrichtung muss vom Träger SWF e.V. geschlossen werden. Damit entfallen attraktive, qualitätvolle Bildungsangebote im Bereich Medien. Somit kann kein Jugendschutz im Bereich Aufklärung der Eltern und der Kinder/Jugendlichen zu Risiken der Mediennutzung (Jugendschutz z.B. in Chatrooms, Altersbegrenzung von Spielen) mehr geleistet werden, obwohl die Erfahrungen zeigen: eine hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil haben zu Hause entweder keinen Zugang zu moderner Computertechnik oder können auf die Möglichkeiten von PC´s vollkommen unkontrolliert, ohne Einfluss medienkompetenter Erwachsener, zugreifen.

Laut Aussage der Suchtberatungsstellen Chemnitz ist schon seit längerem ein Zuwachs an suchtproblematischen Auffälligkeiten im Bereich Mediennutzung und Onlinespielsucht bei allen Bevölkerungsschichten, besonders jedoch bei Kindern und Jugendlichen, zu verzeichnen. Das Wegbrechen des Angebotes „Jugendmedienzentrum Bumerang“ schafft eine gravierende Lücke in der Präventionsarbeit. Einer weiteren qualitativen und quantitativen Zunahme oben beschriebener Suchtproblematiken kann somit nicht (mehr) begegnet werden.

Auch wenn die Angebote des „Jugendmedienzentrum Bumerang“ stadtweit genutzt werden, so wird sich die Schließung besonders im „sozialen Brennpunkt“ Sonnenberg mit einem hohen Anteil an Familien aus sozial schwachen, erziehungsmüden und bildungsfernen Schichten und/ oder von Benachteilung bedrohten bzw. betroffenen Kindern und Jugendlichen negativ auswirken. Die Nutzer verlieren ein medienpädagogisches Freizeitangebot und Teilhabechancen an Bildung, die Eltern kompetente (medien)pädagogische Ansprechpartner.

Die jetzigen Nutzer des Sonnenbergs werden nicht in einen weiter entfernten Stadtteil ausweichen, um adäquate Angebote wahrzunehmen. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass die Wahl von Freizeitangeboten der Kinder und Jugendlichen hier stark verortet und wenig flexibel ist.

Das „Jugendmedienzentrum Bumerang“ ist voll ausgelastet. Neben offenen Angeboten gehören Arbeitsgruppen wie Geocaching als Verbindung von Medien und Erkunden in der Natur, elektronische Schatzsuche, Spieletest-AG zur Bewertung von Spielen nach Jugendschutzaspekten durch Kinder und Jugendliche, Hausaufgabenhilfe mit Mediennutzung, Selbsthilfe-Werkstatt zur PC-Reparatur, Mädchentage, Kurse zur Video-, Grafik- und  Musikbearbeitung, (medien-)pädagogisch begleitete Ferienfreizeiten zum Leistungsspektrum. Im Fokus stehen dabei der Erwerb von  Medienkompetenz und Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen.

Darüber hinaus bietet die Einrichtung Beratung für und Unterstützung von Eltern, Lehrer(n) und Erzieher(n) im präventiven Umgang mit modernen Medien. Dieses Leistungsspektrum geht den benannten Nutzergruppen mit der geplanten Einsparung von ca. 70.000 Euro Fördermitteln pro Jahr verloren. Medienpädagogische Arbeit ist eine moderne, den veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werdende Methode der Kinder- und Jugend (-bildungs- und –schutz)arbeit. Chemnitz als „Stadt der Moderne“ und als Bewerber für eine „Stadt der Wissenschaft“ sollte medienpädagogische Arbeit eher aus- als abbauen, trotz objektiver Sparzwänge im Haushalt.

Qualifizierte medienpädagogische Arbeit für und mit Kinder(n) und Jugendliche(n) leistet einen wichtigen Beitrag bei der Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft. Im Rahmen der Jugendhilfe sollen qualitätvolle, zielgruppen- und bedarfsgerechte Angebote entwickelt und realisiert werden, die Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen gewährleisten und Benachteiligungen entgegenwirken. Fundiertes Medienwissen und die Fähigkeit zur kreativen, selbst bestimmten Mediennutzung sind inzwischen Basiskompetenzen für die berufliche Qualifizierung, ebenso wie für die Bewältigung des Alltags und für die Gestaltung der Freizeit. Medienkompetenz meint dabei mehr als nur technische Fertigkeiten; sie umfasst auch Medienkritik und -reflexion sowie die Fähigkeit, Medien für die Artikulation eigener Interessen einsetzen zu können. Sie ist wichtiger Faktor bei der Befriedigung des Bedürfnisses nach Unterhaltung, dient der sozialen Kommunikation und fördert die demokratische Teilhabe an den Medien.

Das „Jugendmedienzentrum Bumerang“ erfüllt(e) diese Kriterien medienpädagogischer Arbeit bisher und leistet(e) einen wesentlichen Beitrag zum Erwerb von Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil Sonnenberg und in Chemnitz.

Die mit dem Maßnahmeplan angedachte Einsparung von ca. 70.000 Euro Fördermitteln wiegen den Verlust dieses Leistungsangebots nicht auf!

Sehr geehrte Damen und Herren Jugendhilfeausschussmitglieder, wir fordern Sie hiermit auf, den Einsparungsvorschlägen im Interesse der Chemnitzer Kinder und Jugendlichen eine Absage zu erteilen: Stimmen Sie gegen den Maßnahmeplan des Amtes für Jugend und Familie Chemnitz und somit gegen die geplanten Kürzungen im Bereich Jugendhilfe Erhalten Sie das Leistungsangebot „Jugendmedienzentrum Bumerang“ auf dem Chemnitzer Sonnenberg.

1 Antworten to “Stellungnahme des SWF e.V.”


  • Heute haben wir erfahren, dass das JugendMedienZentrum Bumerang ab 2010 geschlossen werden soll. Wir können nicht nachvollziehen, wie die Stadt Chemnitz an einem sozialen Brennpunkt, wie den Sonnenberg eine solche Einrichtung aus finanziellen Gründen schließen will. Die Einrichtung wird von sehr vielen Kindern und Jugendlichen des Sonnenberges und der weiträumigen Umgebung sehr gern besucht. Wir sprechen hier aus eigener Erfahrung. Unsere beiden Söhne besuchen den Bumerang seit Jahren regelmäßig und gern. Sie knüpften im Bumerang Kontakte mit anderen Kindern und Jugendlichen, konnten ihr Wissen im PC- Bereich durch die kompetente Anleitung von Herrn Graupner erweitern. Was ihnen auch schulisch sehr half. Des weiteren konnten sie ihre Hausaufgaben im Bumerang erledigen. Dabei kam unseren Kindern das fachliche Wissen von Herrn Graupner wieder sehr zu gute. Auch zu erwähnen sind die sehr guten Freizeit und Ferienangebote, welche von den Kindern und Jugendlichen mit großer Begeisterung angenommen werden. Sollte der Bumerang wirklich geschlossen werden, würde für die Kinder und Jugendlichen im sozialen Miteinander im außerschulischen, sowie im (sinnvollen) Freizeitbereich eine riesige Lücke entstehen.
    Chemnitz Stadt der Moderne!
    Zu einer Stadt gehören doch auch junge Leute. Und junge Leute brauchen Orte, wo sie sich verwirklichen können. Eben solche Orte wie das JugendMedienZentrum Bumerang. Mal ganz ehrlich, wir sind beide 1960 in dieser Stadt geboren, uns wurde zu DDR-Zeiten ein solch schöner Jugendclub verwehrt. Wo können sich die jungen Leute noch treffen? Natürlich gibt es Discos usw., aber wie viele der Jugendlichen können sich solche Veranstaltungen leisten. Mal ganz von dem oben schon erwähnten erzieherischen pädagogischen Wert abgesehen.
    Was wird wenn der Bumerang schließen muss?
    Ein großer Teil der Jugendlichen wird seine Freizeit auf der Strasse verbringen. Das wiederum wird die Anwohner des Sonnenberges auf den Plan rufen. Es wird vermehrt Beschwerden wegen Ruhestörung usw. geben. Das JugendMedienZentrum Bumerang erfreut sich bei vielen Anwohnern großer Beliebtheit, was wir aus zahlreichen Gesprächen erfuhren. So zum Beispiel: “Seid es die Einrichtung gibt, ist der Sonnenberg ruhiger und wohnenswerter geworden”.
    So nun genug der Worte. Wir hoffen inständig, dass der Jugendhilfeausschuss sich gegen eine Schließung des Bumerangs entscheidet. Die Kinder und Jugendlichen, sowie Eltern und Anwohner werden es Ihnen danken.
    Wie heißt es doch so schön! Die Kinder sind die Brücke in unsere Zukunft. Warum wollen wir Ihnen dann Steine in den Weg legen?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Familie Räppel

Hinterlasse eine Nachricht