Auf der Internetseite der Stadt Chemnitz findet man seit heute die Pressemeldung zum gestrigen Jugendhilfeausschuss und außerdem einen Ausblick auf den (vielleicht richtungsweisenden) am 08.12.2009
Hier der link.
Interessant finde ich den letzten Satz, der da meint “Der Jugendhilfeausschuss Chemnitz wird sich … am 08.12.2009 mit der gebotenen Sorgfalt beraten und sich über die vorgeschlagenen zehn Einzelprojektkürzungen und deren Alternativen verständigen.” Es gibt also Alternativen?!
Antje von Radio T e.V.

Der Text beweist einmal mehr die Halsstarrigkeit der Verwaltungsspitze in Sachen Demografie. Schade, dass es zu mehr nicht reicht. Schade um einen ganzen Fachtag nur zu diesem Thema, wenn dessen (und nicht nur dessen) Erkenntnisse zu keiner anderen Begründung führen. Wie auch immer: die Verwaltung hat keinen (Jugendhilfe)Plan!
Eben die Verwaltung hat keinen Plan und will auch keinen großen Wurf riskieren. Eigentlich bleibt da nur noch WUT!
heute gab es wieder eine pressemitteilung:
PRESSEMITTEILUNG 848 Chemnitz, den 26.11.2009
„Kommune des Jahres“: Unternehmerpreis der Ostdeutschen Sparkassenstiftung für Fachkräfteportal „Chemnitz zieht an“
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig freut sich über die erneute Anerkennung. „Wirtschaftliche Kennzahlen und so genannte weiche Faktoren wie ein attraktives soziales und kulturelles Umfeld stimmen uns optimistisch, dass Chemnitz die derzeitige Wirtschaftskrise gut meistern wird“, so Ludwig weiter.
HAHAHAHA
noch etwas zur 6 % 8 % Problematik:
http://www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=624&Jump1=LINKS&Jump2=30
DJI-Projekt – Thema 2006/11: Keiner mehr da? Jugendhilfe und demografischer Wandel
Blick von Außen
von Dr. Siegfried Haller, Leiter des Jugendamtes Leipzig
Wie reagiert die Kinder- und Jugendhilfe auf den demografischen Wandel? Steuerung am Beispiel Leipzig
In Leipzig ist bis zum Jahr 2010 mit einer Abnahme der Zielgruppe für die Jugendhilfe zu rechnen: Es wird von einem Rückgang der unter 27-Jährigen von bis zu 10 % ausgegangen. Bei den unter 7-Jährigen und bei den 7- bis 13-Jährigen rechnen wir mit leicht steigenden Zahlen. Bei den 14- bis 18-Jährigen wird sich allerdings nahezu eine Halbierung ergeben; die Zahl der 18- bis 21-Jährigen wird ungefähr um ein Viertel zurück gehen. Dass heißt also, demografische Effekte wirken sich auch in Leipzig sehr unterschiedlich aus.
Nach dem Rückbau von Kindertagesstätten in den 1990er Jahren werden jetzt neue Einrichtungen geschaffen werden müssen. In den Jugendtreffs zeigt sich heute schon ein höherer Altersdurchschnitt bei den Besuchern, der sich weiter fortsetzen wird. Im Bereich Hilfen zur Erziehung nehmen komplexere Hilfebedarfe zu. Viele Fälle werden leistungs- und kostenintensiver. Ein Rückbau der entsprechenden Infrastruktur ist nicht zu erwarten. Auch bei Beratungsstellen fragen zunehmend ältere Jugendliche nach.
Grundtendenz für die bundesweite Entwicklung der Jugendhilfe kann also nur bedingt Rückbau und Ressourcenverlagerung sein. Viel mehr wird für die Entwicklung der Leipziger Jugendhilfe ein flexibles Einstellen auf wechselnden Bedarf notwendig sein.
Ich möchte dies begründen:
• Demografische Veränderungen sind nicht im Verhältnis 1:1 in die Planung von Infrastruktur und Leistungserbringung der Jugendhilfe zu übersetzen. 20 Prozent Rückgang der Bevölkerung im Alter unter 27 Jahren bedeutet nicht automatisch einen Rückgang des Jugendhilfebedarfs in allen Feldern der Jugendhilfe.
• Eine Vielzahl individueller und gesellschaftlicher Lebensbedingungen für Kinder und Familien haben Einfluss auf den Bedarf an Jugendhilfeleistungen, etwa die finanzielle Situation einer Familie, Arbeitstätigkeit oder Arbeitslosigkeit, Scheidung, Überlastungssituationen von Eltern, aber auch Mobilität, Infrastruktur (z. B. Spielplätze) bis hin zu gesellschaftlichen Normen.
• Diese Einflussfaktoren wirken sich in einzelnen Feldern der Jugendhilfe sehr unterschiedlich auf den Jugendhilfebedarf aus.
• Demografie ist kein Planungs- oder Steuerungsersatz. Sie gibt Hinweise auf künftige Verläufe, die planerisch klug aufgenommen und politisch steuerbar gemacht werden müssen.