Stellungnahme zu den geplanten Personalkürzungen im Fachbereich Mobile des AK MJA Chemnitz

Im Zuge der öffentlich diskutierten Kürzungspläne des Amtes für Jugend und Familie Chemnitz wurden die Projekte der Mobilen Jugendarbeit darüber informiert, dass Kürzungen im Personalbereich vorgesehen sind. Es handelt sich dabei um ca. 0,5 AE pro Projekt. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das Projekt Mobile Jugendarbeit Innenstadt des AJZ e.V. bis zum heutigen Datum von Seiten der Abteilung Jugendarbeit keine offizielle Information zur geplanten Kürzung erhalten hat.

Die geplante Reduzierung der Personalkosten im Jahr 2010 wird von Seiten der Fachabteilung Jugendarbeit des Amtes für Jugend und Familie mit dem Satz „Dieses Jahr ist die Mobile Jugendarbeit auch mal dran!“ begründet. In keinem der drei betroffenen Projekte konnten fachliche Mängel oder minderwertige Qualität der sozialpädagogischen Arbeit nachgewiesen werden. Im Gegenteil – alle drei Projekte werden seit mehreren Jahren im Rahmen des Controlling – Prozesses des AfJuF Chemnitz mit dem Qualitätsprädikat „sehr gut“ bewertet!

Die drei Projekte der Mobilen Jugendarbeit/ Streetwork leisten in mehreren Stadtteilen und mit den verschiedensten Jugendgruppen der Stadt Chemnitz  (Schloßchemnitz/ Kaßberg – Domizil e.V.; Innenstadt sowie szenebezogen mit Punks – Mobile Jugendarbeit Innenstadt des AJZ e.V., Markersdorf, Morgenleite, Hutholz und ab 2010 Kappel – MOJA der JBH Chemnitz e.V.) einen fachlich wertvollen und qualitativ hochwertigen Beitrag zu folgenden Themen-bereichen:

  • Persönlichkeitsbildung und Lebensbewältigung der jungen Menschen
  • Einzelfall- und gruppenbezogene Netzwerkarbeit
  • Unterstützung beim Übergang zwischen Schule und Beruf
  • besser gelingendes und demokratisches Zusammenleben in den Stadtteilen („Sozialer Frieden“)
  • demokratische, informelle und nonformale Bildung

Mobile Jugendarbeit/ Streetwork trägt dazu bei, das System Jugendhilfe bedarfsgerecht und lösungsorientiert für die AdressatInnen zu öffnen. Unser niedrigschwelliges und anwaltschaftliches Angebot für die Mädchen und Jungen der Stadt Chemnitz leistet einen notwendigen Beitrag  an flexiblen und passgenauen Hilfen, die den Lebensweltbezug der jungen Menschen erhalten und somit intensive, ressourcenorientierte und effektive Unterstützung ermöglichen, um gegebenenfalls langjährige so genannte Jugendhilfekarrieren zu vermeiden. Dafür sprechen folgende statistische Angaben:

BesucherInnen  in den Kontaktbüros Beratungen Kontakte mit jungen Menschen im Streetwork
2007 3523 2205 2667
2008 3653 2266 2668

Seit mehreren Jahren machen wir  in unseren  Statistiken, Jahresberichten und Leistungsunterlagen auf folgende Tatsachen aufmerksam:

  • die Beratungszahlen, der Zeitumfang  und die Arbeitsintensität für Beratung, Begleitung und Vermittlung im Rahmen einer Einzelfallhilfen nehmen zu,
  • die Stadtteile in denen die Projekte Mobiler Jugendarbeit wirken nehmen „Spitzenplätze“ in der Fallzahlenstatistik von Jugendgerichtshilfe und Polizei (u.a. Diebstahl, Körperverletzung, Mehrfachtäter) ein,
  • die Streetworker arbeiten nach wie vor in Stadteilen mit „Sozialen Brennpunkten“
  • im Arbeitsfeld ist ein deutlicher Anstieg der „Hilfen zur Erziehung“ nachgewiesen.

Die geplanten Kürzungen der Personalkosten haben eine direkte Auswirkung auf die zur Verfügung stehende Arbeitszeit. Damit ist die Aufrechterhaltung der bisherigen Öffnungszeiten der Kontaktbüros nicht möglich. Das bedeutet, die jungen Menschen hätten wieder eine Möglichkeit weniger, sich bei selbst erkanntem Bedarf, Beratung und Unterstützung zu holen. Des Weiteren wird es Einschnitte im Bereich Streetwork geben. Eine Abnahme der Außen- und Erstkontakte wäre die direkte Folge und die Bekanntheit des niedrigschwelligen Hilfsangebots würde zurückgehen. Die Verringerung der Präsenz im Sozialraum erschwert damit das Erkennen von Tendenzen und dynamischen Prozessen im Gemeinwesen, birgt die Gefahr von zu spätem Reagieren und verbaut somit die Möglichkeit der deeskalierenden Einwirkung. Freizeitprojekte und Gruppenarbeiten können nicht mehr in gleicher Anzahl angeboten werden. Der Effekt der ausbleibenden Bildungsangebote ist nicht einschätzbar.

Eine Kürzung des Angebots bedeutet somit weniger Leistung des Angebots. Beim bestehenden eindeutig angezeigtem erhöhtem Hilfebedarf im Bereich Sucht, Drogen, Gesundheit und Wohnen im zwei – bis dreistelligen Prozentbereich ist eine Reduzierung der Förderung von uns fachlich nicht vertretbar!

Gerne stehen wir und insbesondere unser Fachgruppenvertreter Olaf Schubert (Domizil e.V. -Tel.: 0371/ 33 12 10 3) auch persönlich für Fragen oder eine Fachdiskussion zur Verfügung!

Die Projekte der Mobilen Jugendarbeit

Domizil e.V. Leipziger Straße 41 09113 Chemnitz Tel.: 0371/ 33 12 10 3

AJZ  e.V. MJA Innenstadt Dresdner Straße 11 09111 Chemnitz Tel.: 0371/ 44 90 98

Jugendberufshilfe Chemnitz e.V. Projekt MOJA Wilhelm – Firl- Straße 23 09122 Chemnitz Tel.: 0371/ 22 61 02





0 Antwort to “Stellungnahme zu den geplanten Personalkürzungen im Fachbereich Mobile des AK MJA Chemnitz”


  • Keine Kommentare

Hinterlasse eine Nachricht