Und wieder eine Umfrage: Chemnitz – Stadt der Moderne

Foto: Katrin Kropf

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Chemnitz, du wirst staunen?!

Und ob. Nicht nur der Slogan an sich ist umstritten, weil Chemnitz die “Stadt der Moderne” nicht wirklich lebt, sondern nicht minder auch die daraus hervorgegangenen Marketingmaßnahmen. Diese sorgen nicht nur für Kopfschütteln in der Chemnitzer Kreativbranche und Bevölkerung, sondern kosten eben auch Geld. Viele Chancen scheinen vertan, da helfen auch keine Chmeintzelmännchen.

Besonders kritisch sehen das eben die Betroffenen von Kürzungen an anderer Stelle. Zu Recht! Dennoch lohnt sich eine Beschäftigung mit dem Thema, denn das was Chemnitz (darstellen) will, steht zur Disposition. Um nicht sogar zu hinterfragen: was will Chemnitz eigentlich?

Prallen hier nicht unzählige gegensätzliche Interessen  aufeinander? Irgendwo zwischen dem offensichtlichen Wunsch nach provinzieller Ruhe und Geordnetheit gegenüber großstädtischer Geltung, zwischen dem Streben nach hochkultureller Bedeutsamkeit gegenüber der gefühlten Ablehnung subkultureller oder stadtteilbezogener Initiativen. Kann sich eine Stadt, die abends, um zehn, die Freisitze in die Kneipe stellt und übers Jahr die Veranstaltungen zählt, die länger als bis 24.00 Uhr dauern dürfen, als eine quirlige Großstadt der Moderne bezeichnen?

In eine Stadt gehört Leben und zum Leben gehört leben lassen! Also kann es kein “Entweder Oder” geben, sondern nur ein “Neben- und Miteinander”! Streichkonzerte in einer funktionierenden Soziokultur- und Jugendhilfelandschaft gehören nicht zum Leben lassen. Schon gleich gar nicht, wenn immer neue und größere Projekte die bestehenden Einrichtungen der Hochkultur, der Soziokultur und der Jugendhilfe immer wieder an die Wand spielen und zu Konkurrenten oder gar Verlierern werden lassen.

Foto: Katrin Kropf

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Müssen wir also von zwei Chemnitz reden? Von einem Rathauschemnitz und einem Bürgerchemnitz? Von einem Chemnitz der vollendeten Tatsachen und von einem Chemnitz der gelebten Bürgerbeteiligung?

Auch die Stadt der Moderne reiht sich in genau diese Fragestellung ein. Chemnitz hatte ohnehin noch nie ein glückliches Händchen für Slogans und Werbestrategien im Stadtmarketing. Unzählige, sich abwechselnde oder gar überlagernde Slogans und Claims sorgten weder für Treffsicherheit und Nachhaltigkeit, noch stifteten sie Identifikation. Denn Nachhaltigkeit und Identifikation kommt nicht nur von wirken lassen, sondern eben auch von … leben lassen!

Marketingmaßnahmen im Alleingang der Rathausspitze mit anschließender Bürgerbefragung, Projektschließungen und Fördermittelkürzungen im Alleingang des Jugendamtes mit anschließenden Schadensbegrenzungsversuchen? Bleibt es bei den Versuchen – mit vorprogrammierten Dauerschäden? Und wer übernimmt eigentlich die Verantwortung?

Wie konzeptionslos muss sich eine Stadt wie Chemnitz noch gebärden? Eine Stadt und nicht ihre Bürgerinnen und Bürger! Die arbeiten, kreieren und schaffen derweil und machen Chemnitz zu dem, was es wirklich ist: zu einer wahren Stadt der Moderne mit hunderten und tausenden fähigen Köpfchen und beherzten Menschen. Also Bremsklötze weg und nicht die Freiräume!

Links:

Umfrage der TU Chemnitz: Stadt der Moderne – 35 Fragen, mitmachen!
chemnitz-toursimus.de – Beiträge zur Stadt der Moderne
Jens Kassner, Chemnitz ähnelt einem halbseitig gelähmten Schlaganfallpatienten – auf freiepresse.de mit Lesermeinungen
Jens Kassner, Stadt der Moderne – Anspruch und Realität – Uni-Vortrag
Chemnitz – Stadt der Moderne?! – Interview Prof. Dr. Bernd Okun auf sachsen-fernsehen.de
Chemnitz zieht weg – eine Glosse nicht nur zum Chemnitzer Stadtmarketing

99 Stimmen zu Chemnitz als Stadt der Moderne – Inofkubusgalerie
Last Exit Moderne? – stadtstreicher.de
Moderne ohne neue Ideen – stadtstreicher.de
Leben verboten?! – stadtstreicher.de

Jan Koch

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