Kürzungsabsichten der Sächsischen Staatsregierung führen zu „geplatzten Träumen“
Die geplanten Kürzungsabsichten des Freistaates Sachsen bedrohen die sächsische Jugendhilfelandschaft in ihren Grundfesten. Einrichtungen und Angebote in Städten und Landkreisen, von Landesverbänden sowie die Freiwilligendienste sind in ihrer Existenz gefährdet.
Um den Verantwortlichen das Ausmaß dieser finanziellen Einschnitte deutlich zu machen, kamen heute auch die Betroffenen selbst zu Wort oder besser gesagt zur Tat. Sachsenweit hatten der Sächsische Kinder- und Jugendring sowie verschiedene Aktionsbündnisse zu einem Flashmob aufgerufen, in dem junge Menschen durch ihr Erscheinen in dunkler Bekleidung, Seifenblasen in den Himmel schickend, auf die Misere in der Jugendarbeit aufmerksam machten. „ Die Seifenblasen sollten dabei ein Symbol für geplatzte Träume sein, die dunkle Kleidung ein Zeichen der Entbehrung und der Traurigkeit“, so Karen Pethke, Koordinatorin im Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit e.V.
Knapp 300 Jugendliche sind dem Aufruf in Chemnitz gefolgt und haben auf dem Neumarkt still protestiert. „Fehlende Freizeitangebote, weniger Bildungsveranstaltungen für ehrenamtlich Engagierte und über 50% gesunkene Chancen, einen der beliebten Plätze im freiwilligen sozialen Jahr zu ergattern, sind genügend Gründe für die junge Generation, sich von den Einsparungsabsichten des Landes unmittelbar getroffen zu fühlen“, so Jan Koch von der Kindervereinigung Chemnitz e.V.
Noch hoffen die Verantwortlichen in den Verbänden, Einrichtungen und Projekten, dass die Bedenken gehört werden. Auch der Jugendhilfeausschuss der Stadt Chemnitz missbilligte in einer offiziellen Pressemitteilung das Vorgehen des Landes. Die Stadt Chemnitz hat gegen den Bescheid zur abgesenkten Jugendpauschale Widerspruch eingelegt.
Der Protest geht weiter: Die Landesverbände der freien Jugendhilfe rufen für den 10. März, von 11.00 bis 15.00 Uhr zur nächsten Aktion auf. Es wird eine große Kundgebung vor dem Sächsischen Landtag in Dresden geben. Auch Chemnitz wird sich daran beteiligen.



Bei der gestrigen Aktion gegen die Kürzungen der Landesmittel für die Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit, für Weiterbildung etc. war auch Radio T vorort. Hier das Manuskript zum Beitrag, der am 01.03.2010 bei Radio T dazu lief:
Manuskript:
Lange und schwer war der Kampf, den die Chemnitzer Vereine der Kultur- und Jugendarbeit geführt haben, um die nötigen Gelder für ihre Arbeit im Jahr 2010 von der Stadt zu bekommen. Am 27. Januar wurde der Haushalt beschlossen, doch jetzt drohen die nächsten Kürzungen. Allerdings gibt die Stadt nur weiter, was das Bundesland Sachsen beschließt.
Sozialministerin Christine Clauß (CDU) plant, die Zahl der Stellen für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr von 1111 auf 500 zu senken. Außerdem soll die Jugendpauschale, die pro jungem Mensch zwischen 0 und 27 Jahren an die Kommunen gezahlt wird, von 14,30 € auf 10,40 € gekürzt werden. Das bedeutet 3 % weniger für viele Jugendprojekte, die bereits sowieso sehr knapp finanziert sind, und das noch im laufenden Haushaltsjahr 2010, wofür die Gelder bereits fest eingeplant sind.
Laura Kaiser von Radio T hat mit Karen Pethke, Koordinatorin des Netzwerkes für Kultur- und Jugendarbeit, über Pläne und Auswirkungen gesprochen. Sie wollte zuerst wissen, welche Einrichtungen von den Sparplänen betroffen sein werden.
Link zur mp3 des Interviews: http://www.radiot-chemnitz.de/RadioT01032010InterviewKarenPethke.mp3
Außerdem befragte unser Reporter Teilnehmer der Aktion u.a. zu ihrer Motivation.
Link zur mp3 der Umfrage: http://www.radiot-chemnitz.de/RadioT01032010UmfrageSeifenblasenFlashmob.mp3
http://sachsen-fernsehen.de/default.aspx?ID=1095&showNews=654813
Zwei Berichte beim MDR:
http://www.mdr.de/mediathek/suche/7129985.html
http://www.mdr.de/mediathek/suche/7129243.html
Ein Video von Chosi …