Sehr geehrte Stadträte, mit Sorge beobachten wir diverse Vorgänge in der Kommunalpolitik, die unserer Meinung nach der Stadt erhebliche Nachteile bringen oder gar Schaden zufügen und dem kommunalen Slogan eine „Stadt der Moderne“ zu sein, keinesfalls Rechnung tragen.
Dazu gehört die Beendigung des Projektes „Experimentelles Karree“ zum 30. Juni. Auch wenn wir nicht alle Ideen und Meinungen der dortigen Akteure teilen, sind wir der Meinung Ansicht, solch ein Konzentrationspunkt nonkonformistischer/ junger alternativer Lebensweisen sei in Chemnitz dringend notwendig.
Die schrumpfende und alternde Stadt braucht dringend Impulse für eine Verbreiterung der Basiskultur. Der Vergleich mit anderen Kommunen zeigt, dass sogenannte Szeneviertel ein wichtiger Faktor für die Attraktivität einer Stadt sind, insbesondere für die Wohnortwahl junger Leute. Zugleich werden damit ehemalige „Problemgebiete“ dauerhaft aufgewertet. Die Lage des Experimentellen Karrees fördert außerdem die positive Verbindung zwischen Uni-Campus und Innenstadt. Dies wirkt sich besonders positiv auf die Belebung der Innenstadt aus.
Mit der Beendigung des Projektes, die offenbar von der Stadtverwaltung gewollt ist, wird ein fatales Signal gesetzt. Es muss so erscheinen, dass junge Menschen, die sich aktiv für die Umsetzung unkonventioneller Ideen einsetzen, in Chemnitz nicht erwünscht sind.
So wie auch schon bei der gescheiterten Reaktivierung des Brühls spielt auch beim Experimentellen Karree die stadteigene Immobiliengesellschaft GGG eine negative Rolle. Die Argumente zur angeblichen Nichtumsetzbarkeit sind bei genauer Betrachtung nicht stichhaltig. Eine gemeinsame Diskussion über Möglichkeiten der Umsetzung findet mit den Akteuren nicht statt. Besonders makaber ist die Absicht der GGG, das Konzept der Mischung studentischen Wohnens mit Kultur- und Freizeitangeboten nun selbst zu realisieren – ohne die bisherigen Akteure und unter zentralistischer Kontrolle.
Wir fordern die Fraktionen des Stadtrates auf, den Beschluss B 133/2008 vom November 2008 konsequent umzusetzen und erinnern an die Verbindlichkeit dieses Beschlusses und des damit verbundenen Vertrauens aller Akteure gegenüber den Entscheidungen des Stadtrates.
Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit
Vorstand

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