Der FAK § 11 Außerschulische Jugendbildung hat sich in seinem Treffen am 18.08.2010 mit dem anstehenden Entwicklungs- und Konsolidierungskonzept der Stadt Chemnitz befasst. Wir sind uns bewusst, dass sich die Stadt Chemnitz wie viele Kommunen in einer schwierigen finanziellen Situation befindet.
Es ist jedoch erschreckend, dass der prozentuale Anteil an Kürzungen im Dezernat 5 überproportional hoch ist im Gegensatz zu den Kürzungen in den anderen Dezernaten. Vor allem im Bereich des Amtes für Jugend und Familie sehen wir die geplanten Einschnitte mit verheerenden Folgen für die nachfolgende Generation unserer Stadt.
Wenn man an den Aussagen festhält, dass es ab 2012 zu Schließungen von jährlich 4 Projekten/ Einrichtungen mit durchschnittlich 2 AE und ca. 20.000 € Sachkosten kommt, bedeutet dies aus der Sicht der außerschulischen Jugendbildung., dass die bestehende und angebotene Vielfalt der stadtweit wirkenden Projekte für Kinder und Jugendliche stark gefährdet ist. Alle diese Projekte haben ein eigenständiges Profil und stehen nicht in Konkurrenz zueinander.
Die Projekte leisten über Jahre hinweg einen qualitativ hochwertigen Beitrag zu nichtformellen und informellen Bildungs- und Entwicklungsprozessen in den Bereichen
- Politische Jugendbildung
- Soziale Jugendbildung
- Gesundheitliche Jugendbildung
- Kulturelle Jugendbildung
- Naturwissenschaftlich-technische Jugendbildung
- Ökologische Jugendbildung
- Sportliche Jugendbildung.
Insofern stellt der Bereich der Außerschulischen Jugendbildung eine wichtige und notwendige Ergänzung zur formellen schulischen Bildung dar. Nicht zuletzt zeigen die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2010, dass im Bereich der Bildung das Bundesland Sachsen und damit auch die Stadt Chemnitz in den letzten Jahren damit unter anderem durch die Wirtschaft geforderte, positive Ergebnisse erzielt. Hier wird der demographische Wandel nicht als Argument zur Kürzung von Mitteln benutzt, sondern diese Mittel werden reinvestiert in eine qualitative und quantitative Aufwertung der Bildungslandschaft. Laut dem Bildungsmonitor 2010 werden genau damit nachweisbare Erfolge erzielt.
Jedoch zeigen Einzelergebnisse, dass der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen auch insofern eine besondere Bedeutung zukommt, als dass ein Fokus auf besondere Zielgruppen und bestimmte Kompetenzen notwendig ist.
Kürzungen im Jugendhilfebereich und insbesondere im Bereich der Außerschulischen Jugendbildung bedeuten den Wegfall ganzer Projekte und letztendlich kompletter Bildungsbereiche. Bereits die Kürzungen der letzten Jahre haben die Trägern der freien Jugendhilfe immense Anstrengungen gekostet, den Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe auf einem auch selbstgestellten qualitativ hohen Niveau zu erfüllen.
Wenn die Kürzungen in der geplanten Größenordnung umgesetzt werden sollten, hätte dies schwerwiegende quantitative und qualitative Auswirkungen:
- Gefährdung der Nachhaltigkeit der Bildungsangebote
- Wegfall von kontinuierlichen Angeboten, z.B. AG´s, Zirkel, Interessengruppen
- Wegfall von Öffnungszeiten offener Bildungsangebote
- Wegfall von themenspezifischen und langjährig gewachsenen Angebotsstrukturen
- Einschränkung und Wegfall von Ferienangeboten
- Einschränkung der Zugangsmöglichkeiten für spezifische Zielgruppen
- Wegfall von Arbeitsplätzen und fachlich hoher Kompetenzen im Kinder- und Jugendhilfebereich
Zudem gibt es trägerinterne Auswirkungen auf Drittmittelprojekte bzw. den Gesamtfortbestand einer pluralistischen Jugendhilfelandschaft. Eine drastische Kürzung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in Chemnitz bedeutet somit weniger Leistung effizienter, bedarfsorientierter, flexibler und niedrigschwelliger Angebote, was langfristig negative Folgen für den sozialen Frieden in der Stadt haben wird.
Die Stadt Chemnitz und ihre Verwaltung sollte Stolz auf die Vielfalt der vorhandenen Projekte mit ihren spezifischen und qualitativ sehr hochwertigen Angeboten sein, anstatt radikale Kürzungen vorzunehmen!
In erster Linie sollte die Prioritätensetzung der Einsparpotenziale noch einmal überdacht werden. Dieser „Kahlschlag“ im Bereich des Dezernats 5 (Kultur, Sport und Soziales) geht einzig und allein auf die Kosten der Lebensqualität und der Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und spart langfristig keine Kosten. Die Stadt muss lebenswert für alle Generationen bleiben um eine Zukunft zu haben! Weiterhin fordern wir die Politiker und die Verwaltung der Stadt Chemnitz auf, der Landesregierung Sachsen Auswirkungen des rigiden Sparkurses auf den sozialen Frieden in Chemnitz zu verdeutlichen und auf eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen zu drängen.
Mit freundlichen Grüßen
im Namen der Mitglieder des FAK § 11 AJB SGB VIII
Chemnitz, den 20.08.2010
Mitglieder des FAK § 11 AJB:
Sächs. Mozartgesellschaft e.V., Verein f. Jugendarbeit und Jugendweihe e.V., DGB Jugend,
AG In- und Ausländer, Arthur e.V., Chemnitzer Filmwerkstatt e.V., 1. FV Parkeisenbahn Chemnitz in Deutschland e.V., Regionale Arbeitsgemeinschaft zur Hilfe Behinderter Chemnitz und Umgebung e.V., Kinder-, Jugend- und Familienhilfe e.V., Solaris FZU gGmbH, Naturschutzbund DL RV Erzgeb., Alternatives Jugendzentrum e.V., Kraftwerk e.V., TSV „Einheit Süd“ Chemnitz e.V., Gesellschaft für Naturbildung e.V.

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