Der FAK § 11 hat sich in den letzten Wochen ausführlich mit dem anstehenden Entwicklungs- und Konsolidierungskonzept der Stadt auseinandergesetzt. Wir sind uns im Klaren, dass sich die Stadt Chemnitz in einer schwierigen finanziellen Situation befindet. Der Anteil an den Kürzungen und den damit verbundenen geplanten Maßnahmen im Dezernat 5 schätzen wir in Betracht der derzeitigen gesellschaftlichen Situation als bedenklich (insgesamt fast 21 Mio Euro) hoch bzw. gravierend ein. Vor allem im Bereich des Amtes für Jugend und Familie sehen wir die geplanten Einschnitte mit verheerenden Folgen für die nachfolgenden Generationen unserer Stadt.
Da Chemnitz auf Grund seiner Altersstruktur bereits ein Defizit an jungen Menschen aufweist, sind die vorgesehenen Kürzungsmaßnahmen unseres Erachtens ein falsches Signal. Sie fördern die weitere Minderung der Anzahl von Kindern und Jugendlichen, was perspektivisch einer Marginalisierung gleichkommt und diese Alters- und Gesellschaftsgruppe zur Minderheit macht. Wie mit einer derartigen Situation verantwortlich umgegangen werden soll, geht aus dem EKKo 2015 nicht hervor.
Die Begründung für die Kürzungen im Bereich der Leistungen des §11 SGB VIII, nämlich die aktuelle und zukünftige demographische Entwicklung, ist aus fachlicher Sicht nicht ausreichend. Zwar gehen die Zahlen im Stadtgebiet nominell zurück, die Besucherzahlen in den Einrichtungen allerdings bleiben mehrheitlich gleich. Inwiefern Besucherrückgänge auf Einrichtungsschließungen, Personalabbau und Sanierungsmaßnahmen in Einrichtungen zurückzuführen sind bleibt ebenfalls unberücksichtigt.
Des Weiteren erscheint der qualitative Faktor ausgeblendet. Das heißt, dass in Folge von
Binnenmigrationsbewegungen auf Grund mangelnder beruflicher Perspektiven mobile, qualifizierte junge Menschen Chemnitz verlassen. In Folge dessen lässt sich schlussfolgern, dass das Klientel der Einrichtungen auch aus dem Ressourcenblickwinkel neben materieller Ausstattung hinsichtlich Bildung, Familie und sozialer Kompetenzen zunehmend problembelastet ist. Dies bedeutet für die Arbeit der Fachkräfte gegenüber reiner Freizeitgestaltung einen erhöhten Anteil an reflektierter kompensatorischer Intervention.
Die geplanten Kürzungen werden perspektivisch dazu führen, dass neben der Existenzgefährdung einzelner Projekte, bestehende und gewachsene Strukturen für Kinder und Jugendliche, als auch Netzwerke der Projekte, unwiderruflich wegfallen werden. Dem mit der Arbeit verbundenen gesetzlichen Auftrag der Förderung und Befähigung zur Selbstbestimmung und Partizipation kann demzufolge nicht mehr ausreichend Rechnung getragen werden. Orientierungsmöglichkeiten und Integrationsangebote sind damit für bereits am Rand unserer Gesellschaft Stehende nicht mehr erlebbar. Wie und inwiefern die entstehenden Freiräume besetzt werden, bleibt noch offen, kann tendenziell aber in ländlicheren Regionen beobachtet werden.
Die Stadt Chemnitz sollte daher mit Stolz auf die Bandbreite der vorhandenen Projekte mit ihren spezifischen und qualitativ sehr hochwertigen Angeboten sein. Neben der Notwenigkeit eines Konsolidierungskonzeptes und Prüfung von Einsparpotentialen, muss aber auch eine flexible Vorgehensweise bei sich verändernden Rahmenbedingungen (z.B. Steuermehreinnahmen) möglich bleiben.
Es liegt in der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung aller einen transparenten, partizipativen Prozess aufzunehmen, der eine gemeinschaftliche, fachliche und zukunftsfähige Vorgehensweise für die Förderung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht! Eine Stadt der Moderne kann keine Stadt ohne Kinder und Jugendliche sein, in der die Innovationskraft der jungen Generation verloren geht!
Mit freundlichen Grüßen
im Namen der Mitglieder des FAK § 11 SGB VIII
T.Gottschalk, A.Schettler
Chemnitz, den 25.08.2010

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