Zur Stadtratssitzung am 05.10. wird über den Stadionneubau entschieden. Das Netzwerk wendet sich diesbezüglich mit einer Stellungnahme an alle Stadträte:
An den Stadtrat
Bitte um Ablehnung der Beschlussvorlage B-278/2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
Chemnitz braucht eine dringende Sanierung seiner Sportstätten. Dennoch möchten wir Sie bitten, der Beschlussvorlage B-278/2011 in Ihrer Sitzung am 05. Oktober 2011 nicht zuzustimmen. In unseren Augen sprechen mehrere Tatsachen gegen die geplante Komplettsanierung des Stadions an der Gellertstrasse. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind viele wichtige Faktoren für Ihre Entscheidung noch nicht bekannt und werden voraussichtlich auch bis zum 05. Oktober nicht näher ermittelt werden können.
Dazu gehört unter anderem eine belastbare Analyse der Investitionskosten für das Stadionumfeld; hier können sich unter Umständen zweistellige Millionenbeträge aufsummieren (siehe 1).
Weiterhin wurde die Prüfung des Baugrundes bisher nicht abgeschlossen (siehe 2). Der kürzlich erfolgte Baustopp am Zwickauer Stadion kann hier als Beispiel für eine Kostenexplosion dienen.
Als ein weiteres Problem kann eine örtliche Kontamination des Bodens durch die Vornutzung als Wartungsdepot für Straßenbahnen nicht ausgeschlossen werden. Leider war in der Beschlussvorlage nicht nachzulesen, ob dieser Kostenpunkt bei einem positiven Befund ausreichend in den prognostizierten Baukosten von 23 Mio. Euro hinterlegt ist.
Die Stadt Chemnitz hat, wie fast alle Kommunen in Deutschland, einen massiven Sanierungsrückstau in den Sport-, Kultur- und Jugendfreizeitstätten (aktuelles Beispiel: Freibad Erfenschlag). Dieser nicht hinnehmbare Zustand wird in den nächsten Jahren durch das massive Zusammenstreichen der investiven Sportförderung seitens der Landesregierung in Sachsen noch erheblich verschärft werden (2008: ca. 23 Millionen; 2011: 2,85 Millionen; 2012: 0,88 Millionen Euro)(siehe 3). Wir sehen daher eine Investition in den Breitensport perspektivisch sinnvoller angelegt als jährlich mindestens 2 Millionen als Pächter für einen einzelnen Sportverein auszugeben. Einem Verein, der zudem spätestens mit dem Aufstieg in die 3. Liga eher als wirtschaftliches Unternehmen zu betrachten ist (Stichwort: Profifussball).
Ein weiterer wichtiger Punkt: Ende 2010 wurde das EKKO beschlossen, welches erhebliche Kürzungen im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit vorsieht. Dieses EKKO wurde seitens der Verwaltung und Politik als alternativlos bezeichnet. Daher ist es zumindest verwunderlich, dass es nun überraschend einen Spielraum von jährlich mindestens 2 Millionen Euro gibt, und das über einen Zeitraum von 20 Jahren. Eine Zustimmung zu der Beschlussvorlage B-278/2011 wäre ein Schlag ins Gesicht für alle Beteiligten des letztjährigen EKKO-Prozesses!
Das Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit e.V. möchte Sie daher auffordern, nach Kompromissen zu suchen. Denkbar, und seriös finanzierbar, wäre eine Teilsanierung, um die vom DFB geforderten spielklassenbezogenen Anforderungen für die 3. Liga zu erfüllen.
Ein kompletter Umbau ist in unseren Augen nur durch Sponsoring und massive Förderzuschüsse seitens der Landesregierung möglich. Wir möchten Sie daher weiterhin bitten, ihre Mandatsträger im sächsischen Landtag dafür zu sensibilisieren und entsprechende Schritte zu unternehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Tobias Möller im Auftrag des Vorstandes
Chemnitz, 28.09.2011
1 siehe Anlage 3 zur Beschlussvorlage / Stadionumfeld Dresden
2 siehe Anlage 4 zur Beschlussvorlage: Altlasten- und Baugrundgutachten
3 http://www.finanzen.sachsen.de/download/2011_2012_Epl05.pdf

Wenn bei der bisherigen Finanzsituation in der Stadt der Stadionneubau in der Form vorangetrieben wird, dann macht sich die Politik in dieser Stadt und ihre Sachwalter vollends zum Obst: einen Ekko durchdrücken und dann das Geld für den Stadionneubau dem CFC hinterherschmeißen wollen ohne andere Mittel und Wege einer Finanzierung zu prüfen. Wenn denn alle Vereine in dieser Stadt nach diesem Grundsatz behandelt werden sollten, wunderbar! Wer wagt sich dann noch über Griechenland zu beklagen?
Ich finde es sehr schade, dass diese Stadt es offensichtlich wieder einmal geschafft hat, Sport, Kultur und Soziales gegeneinander auszuspielen. Weil es immer ums Geld geht, wird ein Konkurrenzdenken und -handeln forciert, bei dem sich die beteiligten Sparten in der Öffentlichkeit zerfleischen und die Stadt lehnt sich entspannt zurück, beobachtet das Treiben und wartet ab, wer übrigbleibt. Tolle Show. Mal davon abgesehen, dass ich auch das Gefühl habe, dass der CFC immer nur die Hand aufhält – der Topf wird immer derselbe sein, solange das Dezernat 5 für Schulverwaltungsamt, Stadtarchiv, Kunstsammlungen Chemnitz, Sozialamt, Amt für Jugend und Familie, Sportamt und Gesundheitsamt zuständig ist. Außerdem geht es hier schon lange nicht mehr um eine bloße Sanierung, sondern um ein Aushängeschid für die Stadt der Moderne, also ein Kind unserer OB – hat die Gute überhaupt schon einen Vorschlag zur Finanzierung beigebracht?
Fazit: Wenn es denn gewollt wäre, müssten sich alle Vereine, eagl ob im Sport-, Kultur- oder Sozialbereich, sagen “Together we are strong”. Aber da es eben ums Geld geht, schaut wohl auch weiterhin jeder nur auf seins und ich wage zu behaupten, dass es auch Beteiligte gibt, die genauso abwarten, bis die “Kleinen” aufgeben, denn dann ist ja wieder mehr im Topf für weniger Beteiligte.
So.
was heißt denn ausgespielt? die priortäten sind doch klar. als es um kürzungen bei jugend und kultur ging, mussten interessenten sich eintrittskarten für den stadtrat besorgen bzw. im vorzimmer platz nehmen. die demo durfte nichtmal auf den marktplatz. ganz anders heute: platz und logi, transparente an der galerie. pöbelnder pöbel vorm rathaus, nazisecurity am einlass.